Die Geschichte der Töpferware in Harlingen
Die erste 'Gleybackery'
Die erste Herstellung von Fayence, Majolika und Fliesen beginnt 1598 mit der Gründung der 'Gleybackery' von Steffen Gunter de Olde in der Raamstraat in Harlingen. Von dieser Zeit an ist Harlingen tonangebend für die Fliesenherstellung und Majolikaproduktion in den Niederlanden. Bei einer archäologischen Grabung 1987 wurde der Brennofen dieser ersten Fabrik gefunden. Dabei wurden unmengen Scherben, darunter die früheste datierte Majolikaschüssel mit der Jahreszahl 1614 ans Tageslicht gebracht. Dieser Fund unterstreicht besonders die große Bedeutung Harlingens schon in dieser frühen Zeit.
Ein fester Begriff in der Welt
Wegen der günstigen Lage an dem Wattenmeer erblühte damals Harlingen zu einer wichtigen Hafenstadt. Mit den Schiffen wurden auch die Produkte der Harlingen Tonware (aardewerk) in alle Nord- und Ostseehäfen exportiert. Da das Rohmaterial (der Ton) vor der Tür lag, konnte zu einem günstigen Preis auch in sehr guter Qualität hergestellt werden. Dadurch wurden die Majolika, Fliesen und Fayencen aus Harlingen ein Begriff in der Welt. Auch noch heute befinden sich in vielen Häusern und Museen entlang der Nord- und Ostseeküste Fliesen die aus Harlingen stammen.
- Die bedeutensten Betriebe waren unter anderem:
- Pytter Grauda ca. 1670
- Familie Spannenburg 1728 - 1804
- Familie Feytema ca. 1685 - 1781
- Familie Tjallingii 1781 - 1910
- Familie Van Hulst 1850 - 1933
Viele Maler wurden in den Fliesenfabriken ausgebildet, einige waren besonders qualitätsvoll z.B. Dirk Danser 1708 - 1770, Pytter Ruurds 1754 - 1800 und Pals Karsten ca. 1723 - 1775. Pals Karsten arbeitete bei Spannenburg und wurde berühmt durch seinen eigenen Stil in der detaillgetreuen Malart seiner Blumen- und vor allem seiner Schiffstableaus. Sein Stil gilt noch heute als Vorbild in der Ausbildung der Maler von der Harlinger Fliesen- und Fayencenmanufaktur. Als die Familie Van Hulst im Jahr 1933 die Fabrik schloß, geht auch ein großer Teil des 350 Jahre alten Archivmaterials verloren und es ist zunächst das Ende einer Jahrhunderte langen Tradition in Harlingen.